Es passierte plötzlich

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Ich habe mir den Kopf gestoßen. Meine Stirn traf einen Metallpfosten. Das Blut spritzte aus meinem Kopf, bevor ich realisierte was passiert war.

In diesem Moment war es eine Mischung aus Schmerz, der sehr schnell von unerträglich zu dumpf wechselte; Angst, dass ich mir den Schädel gespalten habe und Verwirrung. Ich wusste, etwas Ungutes ist passiert, aber ich verstand nicht warum.

Ich lag dort, auf dem weichen, leicht kühlen Sand, umgeben von Stimmen, die zu mir sprachen. Meine Augen waren zu, um das Blut nicht hinein zu lassen. Die Stimmen um mich herum, Freunde, wollten wissen, ob mir schwindelig oder übel ist. Sie haben gesehen wie ich gegen den gelben Pfosten knallte, als ich dem Ball hinterherlief.

Ich nehme an, sie haben auch das Geräusch gehört, das mein Kopf produzierte, als es auf Metall traf, ich denke, man konnte es auch im Weltall hören. Alle habens gehört. Alle außer mir. Anstelle des Geräusches erinnere ich mich an das abrupte Stoppen meiner Bewegung und das Blut, das plötzlich auf meine Hände spritzte. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Die Jungs waren da, handelten schnell. Danke euch! Sie drückten mir ein Tuch auf die Wunde und legten mich hin. Meine Augen waren zu. Das Blut lief herunter. Ich spürte den Schmerz auf meiner Stirn. Es pochte nicht. Es schmerzte mit kratzenden Sandkörnchen auf der Haut. Einige Minuten später kam der Notdienst.

Sie verbanden meinen Kopf und ich ging zum Krankenwagen. Erst dort überkam mich das Selbstmitleid. Ich öffnete die Augen und realisierte, dass der Grund des Tatü-Tatas der Sirene mein Ankommen ankündigte. Ich war mir nicht sicher, ob ich weinen sollte. Die Tränen, die sich riesig anfühlten, liefen mir langsam die Wangen herunter.

Sie brachten mich in ein Krankenhaus, das wie eine Jugendherberge aussah. Abgenutzt, verwahrlost. Mein Eindruck – weder klinisch noch steril. Dort ging es schnell. Die Ärztin fügte mir Schmerz zu, um meinen Schmerz zu lindern. Sie spritzte etwas in meine Stirn. Kurze Zeit später spürte ich ihre Hand oder Lappen auf meinem Kopf, in meiner Wunde, die sich wie Gummi anfühlte. Es war unangenehm, aber es tat nicht mehr weh.

Dann ging es ans Nähen: „Ist nur eine Platzwunde, das geht schnell“. Ich fühlte das Einstechen der Nadel in meinem Gesicht und hörte, wenn sie die Naht abknipste. Eine dünne Papiermaske lag auf meinem Gesicht, während sie das tat. Das Blut lief immer wieder über meine Nase in mein linkes Auge. Irgendwann stoppte die Blutung und es war vorbei. Meine Platzwunde, die die Ärztin auf etwa 4-5 cm geschätzt hatte, war zugenäht.

Ich ging ins Bad, um das Ergebnis meiner Arbeit und das der Ärztin zu begutachten. Im Wartezimmer, neben der Toilette, grüßte mich der schockierte Blick eines Mannes, der auf jemanden wartete. Kurze Zeit später vor dem Spiegel, sah ich, was die anderen sahen.

Gesicht, Maske, Arme, T-Shirt – blutverschmiert. Eine schwarz-rote Linie auf meinem Gesicht grüßte mich mit wenig zurückhaltender Präsenz. Ich wusch mir das Gesicht und staunte, wie leicht das dunkelrot getrocknete Blut von meinem Gesicht wegzuwischen war.

Draußen war es grau, die Sonne verschwand hinter den Wolken und der Wind kühlte mich. Die Blicke der Fußgänger blieben auf meiner Stirn stehen. Als ich mir eine Woche zuvor die Haare blondierte, gewöhnte ich mich zunehmend an die Aufmerksamkeit meiner Umwelt. Das war anders.