Bühne frei für gelassene Improvisation

Publiziert am

Kategorie

Rede ich über das Improvisieren, dann erkenne ich in den Pupillen der Gesprächspartner wenig Bewegung.

Improvisation ist doch das, was Lang Lang auf dem Piano macht oder der Dirk Nowitzki im Basketball oder die Katzenberger im Fernsehen. Improvisation ist das, womit wir im Alltag nichts zu tun haben. Oder?

Denkt man. Und doch müssen wir schnell reagieren, wenn plötzlich ein Fahrradfahrer vor uns auftaucht, unser Projekt in Schieflage gerät oder unsere Beziehung zu scheitern droht.

Jeder von uns improvisiert. Wir reagieren ohne Vorbereitung auf das, was kommt. Die wenigsten von uns müssen das allerdings auf der Bühne tun.

In der Jazz-Schmiede, in Düsseldorf, in Jam Sessions am Dienstag, wo Musiker und neugierige Zuhörer zusammenkommen, um miteinander zu musizieren, wissen sie nicht was kommt. Sie stehen auf der Bühne und nehmen mit ihren Instrumenten die musikalische Fahrt auf.

The essence of improvisation includes a liking for spontaneity and a positive attitude that lets the musicians believe in the possibility of successful playing given all the surprises and difficulties that can arise in a musically open situation.

This attitude include the conception that apparent “mistakes” actually open windows into a new, previously hidden world, accessible by finding a logical way to integrate the “mistake” into a convincing whole. “Jazz is a particular way of approaching life”, says Paul F. Berliner. (Link zur deutschen Ausgabe)

Wer auch immer Paul Berliner ist, hat er das sehr poetisch gesagt. Durch Fehler eröffnen sich uns neue Wege, die wir vorher nicht gegangen sind. Vermeintliche Fehltritte sind eigentlich Möglichkeiten, die wir gelassen hinnehmen, um daraus etwas zu schaffen, was vorher nicht da war.

Ist es nicht das, was die Improvisation für Musiker und Zuhörer so aufregend macht? Wir erleben musikalische Abenteuer direkt vor unseren Augen. Fehler sind eingeladen, neue Wege aufzuzeigen, die man bisher nicht gegangen ist.